Ein guter Amelo reduziert nicht
Eine Freundin von mir hat es mal extrem nüchtern formuliert: “Ansich ist es doch gut, dass es Amelos gibt, irgendwie sind sie doch das Gegenstück zur Frau mit Behinderung.”
Dass es so einfach nicht ist, sollte bekannt sein. Doch ganz heraus-gezoomed, ist es so. Das zeigt sich besonders beim Zusammenschluss.
Kann ein Amelo / Dev wirklich offen zu seinen Gefühlen stehen und die Frau das auch annehmen, entsteht auf beiden Seiten ein Gefühl des Fallenlassens und der Freiheit in der Verbindung. Kein Verstecken, keine Zurückhaltung, kein Scham. Sich zeigen, einander schön finden, Reize, Flirts.
Wichtig ist, dass sich beide Seiten nicht auf die speziellen Eigenschaften reduzieren. Die Frau sollte sich nicht nur dafür interessieren "wie das so ist mit einem Amelo" und der Mann sollte bei der Frau nicht nur auf die Behinderung achten.
Ein guter und bewusster Amelo sieht seine Partnerin mit all ihren Facetten und schafft es auch, die Behinderung im Kontext zu sehen und nur dann erotisch zu finden, wenn der Raum dafür da ist.
Wenn die Frau z.B. einen Tag hat, an dem die Prothese nicht sitzt und sie stark humpelt, dann darf mal ein erotischer Impuls gefühlt werden (was wir fühlen, kontrollieren wir nicht) aber die Reaktion sollte eher ein "Oh, Shit, ihr geht es nicht gut." sein. Dennoch ist jederzeit (sogar an solchen Tagen) möglich, dass sie es im Flirt verwendet. Denn auch hier sind Charaktere wieder sehr unterschiedlich. Die einen nehmen Hilfe an, die anderen sind an schwachen Tagen sehr zurückhaltend und wollen, dass die Behinderung gar keine besondere Aufmerksamkeit bekommt, wieder andere ziehen sich etwas zurück.
Wieder zeigt sich, es muss sich aufeinander eingespielt werden und auch die Frau muss an der Stelle offen kommunizieren und den Amelo nicht an guten Tagen für seine Vorliebe mögen und an schlechten Tagen dafür verteufeln. Man lässt sich gemeinsam darauf ein und findet eine Dynamik, die für beide passt.
